Anatevka ist überall… und nirgends – Internatsfreizeit 13.11.2016

TheatersaalTradition! Ein Ruf hallt durch den dicht besetzten Theatersaal. Tradition! Wir befinden uns in Anatevka, einem kleinen, russischen Dorf im Jahr 1905, in dem nichts so heilig ist wie die alte, vertraute Ordnung oder in anderen Worten, die Tradition. Die Männer arbeiten und die Frauen hüten das Haus. Während die Söhne die Tora studieren oder Geld verdienen, bleiben die Töchter zuhause und hoffen darauf, dass eines Tages die Heiratsvermittlerin mit einem charmanten und – vor allem – wohlhabenden Mann vorbeikommt.

Doch was, wenn diese althergebrachte Tradition ins Wanken gerät? Was, wenn Mädchen auf einmal aus Liebe heiraten wollen? Und was, wenn die auserkorenen Ehemänner ausgerechnet ein armer Schneider, ein kommunistischer Revolutionär und ein christlicher Soldat sind? Steht die Liebe eines Vaters höher als jede Tradition oder zerbricht die Familie an Ideen, die ihrer Zeit voraus sind?

„Anatevka“ regt zum Denken an. Welchen Weg finden wir als Gesellschaft um Altes und Neues zu vereinen. Innovation gegen Tradition, ein Kampf, der bald über die Grenzen der Familie hinausgeht.

Und als tosender Applaus den Theatersaal erfüllte, waren wir hellauf begeistert von dem Musical, welches mit sowohl erstklassiger Schauspielerei als auch mit beeindruckendem Musik und Tanz aufwarten konnte. Auch das Bühnenbild beeindruckte, welches mit wenigen Requisiten erstaunlich wandlungsfähig war.

Für einige von uns zeigte dieses Wochenende wie ein Theaterbesuch eine mehr als würdige Alternative zum Kinobesuch sein kann.

Jan Siebeneichler, GymJ2a