Flüchtlingshilfe am Päda – Fleiß trifft Ehrenamt

Besondere Förderung für syrischen Flüchtling am Pädagogium Baden-Baden

Bis vor drei Jahren verlief das Leben von Ibrahim in geordneten Bahnen. Der junge Kurde wuchs als jüngster von sechs Geschwistern nahe Aleppo in Syrien auf, besuchte die Schule, wollte wie sein Vater Ingenieur werden. Doch gerade als er in Aleppo seine Abiturprüfung ablegen sollte, erreichte der Bürgerkrieg die Gegend, die Stadt wurde eingekesselt und bombardiert. Ibrahim, damals 18 Jahre alt, musste fliehen. Seit Ende letzten Jahres lebt er nun in einer Flüchtlingsunterkunft in Baden-Baden und begann sich unverzüglich, zunächst unbemerkt, mit Hilfe des Internets selber Deutsch beizubringen. Monatelang folgte er den Anweisungen eines syrischen Deutsch-Lehrers auf Youtube, dann erschien er, ermuntert durch einen Mitbewohner, zögernd in einem der ehrenamtlichen Deutsch-Kurse in der Unterkunft.

Fleiß trifft Ehrenamt

Auf dem Foto von links: Ibrahim, die Baden-Badener Autorin und Flüchtlingshelferin Rita Hampp (die sich ganz besonders um den wissbegierigen jungen Mann kümmert und ihn auf seinem Weg begleitet), Anita Menrath und Gabriele Haug-Lamberty.

Schnell stand fest: Ibrahim kann durch seine eigenen Bemühungen schon mehr als manch anderer, bald wechselt er in die Volkshochschule, überspringt Module. Der geduldige, strebsame junge Mann hat ein großes Ziel: Er möchte unbedingt studieren. Aber das ist hierzulande ohne Abiturzeugnis nicht möglich. In eine deutsche Schule zu gehen und die Abiprüfung nachzumachen, ist leider für einen inzwischen 21jährigen aufgrund bürokratischer Hürden ebenfalls nicht gerade einfach.

Doch jetzt hat sich ein Weg aufgetan: Das Pädagogium Baden-Baden wurde auf das Schicksal des jungen Mannes aufmerksam, und versprach spontan, Ibrahim zu fördern.

Andreas Büchler, Schulleiter der beiden beruflichen Gymnasien am Pädagogium, machte sich auf die Suche und fand in den pensionierten Lehrkräften Anita Menrath und Gabriele Haug-Lamberty zwei Menschen, die spontan und direkt ihre ehrenamtliche Hilfe zusicherten. Seit Mitte Oktober besucht Ibrahim nun wöchentlich das Päda, das Räume und Material für den Unterricht zur Verfügung stellt. Deutsch und Englisch stehen auf dem Stundenplan, wohlgemerkt neben Ibrahims Pensum an der Volkshochschule, wo er nicht nur den Integrationskurs besucht, sondern auch freiwillig an weiteren Deutsch- und Englisch-Kursen teilnimmt. Neben seinem Fleiß und seinem Willen, möglich viel zu lernen, loben die beiden Lehrerinnen seine Höflichkeit, Freundlichkeit und seine Aufgeschlossenheit.

Das Ziel aller Bemühungen ist, Ibrahim im nächsten Schuljahr in den regulären Schulbetrieb zu integrieren, so dass sein Wunsch Wirklichkeit werden kann: Ein Abitur in Deutschland.

 Lesen Sie hier den Artikel aus dem Badischen Tagblatt vom 08.12.2016.