Immanuel Kant live im Radio

PBB 1 | „Leute heute“

Kicole Nöster:                   Guten Morgen, Herr Kant. Ich bin stolz, dass ich einen Gast habe, der so selten im Rundfunk Interviews gibt und heute Morgen dennoch bei uns zu Gast ist. Viele Ihrer Schriften sind Bestseller geworden und fesseln noch heute unzählige Studenten. Bestseller, die viele Schüler auf Anhieb allerdings nicht mehr verstehen. Können Sie den Inhalt Ihrer Schrift, dass die Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit ist, hier erneut erklären?

Immanuel Kant:               Ja, da kann ich einen aktuellem Anlass direkt aufgreifen. Nehmen wir beispielsweise die Wahlen. Es werden so viele Ressourcen in Wahlkampagnen gesteckt, da einfache Versprechen und gehaltlose Parolen bei den meisten schon die Stimme gewähren. Nur die Wenigsten arbeiten sich in die Materie tiefer ein und bilden sich eine komplett eigene und nicht fremdbestimmte Meinung. Diese Leistung eines anderen, welcher die meisten unterliegen, beschreibt die Unmündigkeit, welche überwunden werden muss, damit von einer aufgeklärten Person gesprochen werden kann.

Kicole Nöster:                   Glauben Sie, dass Aufklärung für das allgemeine Volk denn überhaupt wichtig ist?

Immanuel Kant:               Das glaube ich in der Tat. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass dies niemals der Fall sein wird, dass das ganze Volk zu mündigen Bürgern wird. Da die Leitung eines anderen einfach bequem ist, man nimmt es ja auch gewöhnlich hin regiert zu werden, und es zudem sehr viel Mut und Überwindungskraft kostet, sich aus dieser zu befreien, geben sich viele Bürger der Unmündigkeit hin und akzeptieren diese. Nur wenige akzeptieren diesen Zustand nicht und entwickeln sich zu den Vormündern der Unmündigen.

Kicole Nöster:                   Das heißt, die Aufgeklärten, die Machthabenden profitieren von der Unmündigkeit der Allgemeinheit und sorgen auch für diese?

Immanuel Kant:               Genau, stellen Sie sich vor jeder Bürger hätte eine komplett individuelle Meinung, diese würde sich niemals zu 100% mit den einzelnen Parteien decken, d.h. jeder hätte etwas zu kritisieren, damit würde es kein blindes Vertrauen mehr geben, stattdessen wäre ein kritischer Blick der Alltag. Da durch solch eine Entwicklung viel Macht verloren geht (einzelne Parteien können sich nicht mehr so einfach auf das blinde Vertrauen der Bürger verlassen), ist dies sicher nicht im Interesse der Regierung. Wahlplakate, billige Wahlsprüche und unrealistische Wahlversprechen wären nicht länger die Wahl-Kampagne, durchdachte Parteiziele etc. müssen her.

Kicole Nöster:                   Aber wieso sind dann doch so viele Unmündig, klar es ist einfacher aber das kann doch nicht alles sein.

Immanuel Kant:               Die ganze Gesellschaft ist doch hierdrauf eingestellt, die Unmündigkeit ist doch schon fest im Alltag verankert. Wieso selber Mündig sein wenn man es einfach im Supermarkt oder im großen Shoppingcenter kaufen kann? Wieso das Leben leben wenn man nachmittags auf RTL das qualitativ hochwertige Leben anderer miterleben kann?